An der Düssel, nicht weit von der Thunisbrücke, auf Gruitener Gebiet, befindet sich ein Kalkofen, der wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert stammt.
Die Bedeutung des Kalks für die Region
Kalk wurde in dieser Region nicht nur für die Industrie benötigt. Viele Höfe, die über Land verfügten, auf dem sich Kalkstein befand, nutzten diesen wertvollen Stein für die Produktion von Kalk. Den brauchten sie als Dünger für ihre Felder, als Anstrichfarbe für Küche und Ställe, als Zusatzstoff zu Sand und Wasser für die Mörtelzubereitung. Da die Gegend reich an Kalkstein ist, gab es hier viele kleine Kalköfen. Sie gehörten, wie die Kalksteinbrüche, zumeist zu den Höfen.
Bau- und Arbeitsweise des Kalkofens
Ein Kalkofen ist ein Brennofen für die Herstellung von so genanntem Branntkalk aus Kalkstein. Für das Kalkbrennen gab es jedoch kein einheitliches System. Der Kalkofen vom Huppertsbracken ist in den Abhang hinein gebaut worden. Dabei wurde eine mannshohe „Kaverne“ (ein künstlich geschaffener unterirdischer Hohlraum) waagerecht in den Hang getrieben und die Seitenwände durch Mauerwerk gesichert. Oberhalb der Kaverne musste die Böschung abgestochen werden. Von hier aus trieb man einen trichterförmigen Schacht nach unten und mauerte ihn mit gutem Ziegelstein und fettem Lehm (als Mörtel) aus. Der Trichter hatte an der unteren Sohle drei Öffnungen. Die Vorderfront wurde zur Stabilisierung mit dicken Natursteinen befestigt.
Das Brechen des Kalksteins war reine Handarbeit, davon zeugen die Gerätschaften des Kalkofens. Abwechselnd wurden die Kalkstücke dann mit Holz oder Kohle in den Trichter gefüllt. Am Mundloch musste dann ein Feuer entzündet werden, das so stark sein musste, dass 1.100 Grad Celsius erreicht wurden und die Steine glühten. Diese brannten 48 bis 72 Stunden. Nach dem Brand musste der Kalkstein abkühlen, was gewöhnlich eine ganze Woche dauerte. Danach hatte der Stein seine Form behalten, war nur heller und leichter geworden (der Kalk verliert beim Brennen rund die Hälfte seines Gewichtes) und konnte nun leicht zerschlagen werden.
Für die Arbeit am Kalkofen waren für gewöhnlich „Kalkbrenner“ zuständig. Da die Kalköfen nur einige Monate im Jahr in Betrieb waren, zogen die Facharbeiter meist von Hof zu Hof und boten ihre Dienste an.
Alter und Namensgebung
Wie alt der Kalkofen ist, lässt sich nicht genau bestimmen. Auf einer Karte von 1633 ist ein „bracker kalckoffen“ eingezeichnet. Ein Stück weiter standen die Höfe „brackhen“. Der Kalkofen gehörte ursprünglich zu diesem Hof.
Woher der Name „vom Huppertzbracken“ kommt, lässt sich nur mutmaßlich darauf zurückführen, dass es einen Besitzer namens Huppert oder Herbert gegeben hat. Eindeutige Belege gibt es nicht.
Restaurierung
Der Kalkofen war bereits in den 1930er Jahren verfallen und geriet in Vergessenheit. 1984 übernahm der Zweckverband „Erholungsgebiet Neandertal“ die Koordinierung der Grabungs- und Aufbauarbeiten; die komplizierte handwerkliche Durchführung wurde von dem Hochdahler Restaurator Meinhard Sucker betreut. Zunächst wurden das vordere Mundloch und das Mauerwerk mit dem Lüftungsschacht an der linken Seite freigelegt und zum Ausbau abgestützt. Der Ofentrichter, die eigentliche Brennkammer, wurde aus alten und neuen Ziegeln wiederhergestellt.
Die für die Restaurierung benötigten 20.000 DM wurden durch Spenden, einen Landeszuschuss sowie durch die Stadt Haan und den Zweckverband aufgebracht. Mitte 1986 waren die Restaurierungsarbeiten am Kalkofen beendet.
2002 wurden Kalkofen und Steinbruch als Bodendenkmal unter Denkmalschutz gestellt.



