Lintorf

Ortsgeschichte

Erste Erwähnung und Namensbedeutung

Erstmals taucht Linthorpe als bäuerliche Streusiedlung in Urkunden der Abtei Werden aus dem 11. Jahrhundert auf. Archäologische Funde belegen jedoch eine menschliche Besiedlung bis zurück in die Eisenzeit. Darüber hinaus konnte unlängst (2022) festgestellt werden, dass in Lintorf eine großflächige germanische Siedlung bestanden hat und das Gebiet im 4. Jahrhundert zum Wirtschaftsraum des spätrömischen Reiches zählte.

Die Bedeutung des Namens Lintorf ist allerdings weiterhin ungeklärt. Während die Schlusssilbe auch in den urkundlichen Erwähnungen wie „Linthorpe“, „Lynthorpa“, „Lintorp“, „Linntorf“ oder auch „Lindorff“ eindeutig für „Dorf“ steht, gibt es für die Anfangssilbe keine eindeutige Identifizierung. Denkbar ist etwa „Dorf am Wasser“ oder „Dorf am geschlängelten Bach“ (Dickelsbach), wobei „thorpen“ in fränkischer Zeit eingefriedete Siedlungen waren.

Die Lintorfer selbst nannten sich in niederfränkischer Mundart „Lengtörper“, wurden aber auch „Quickefrieter“ (Queckefresser) oder „Sandhasen“ genannt.

 

Wirtschaftliche Entwicklung

Lintorf blieb viele Jahrhunderte agrarisch geprägt, auch wenn der Dickelsbach die Errichtung von Wassermühlen ermöglichte und nachweislich bereits im 16. Jahrhundert Bergbau (zunächst Kalk und später auch Blei) betrieben wurde. Im 18. Jahrhundert kam es zu einer Phase der Frühindustrialisierung in Lintorf, die allerdings nur von kurzer Dauer war. Das sollte sich Mitte des 19. Jahrhunderts ändern, als die Förderung von Bleierz wiederbelebt wurde. Für den Aufstieg Lintorfs zum Industriedorf war sicherlich die Eröffnung der Bahnstrecke Troisdorf-Mülheim/Ruhr mit Bahnhöfen in Ratingen-West und Lintorf im Jahr 1874 förderlich. Ab 1876 wurde die Bahnlinie auch zum Personenverkehr genutzt. Nun begannen auch mehrere Industrieunternehmen sich im Lintorfer Norden anzusiedeln, Schwerpunkt lag hierbei auf der Metall- und Tonbearbeitung.

 

Zugehörigkeiten

Seit dem 14. Jahrhundert unterstand Lintorf dem Amt Angermund im Herzogtum Berg. Zunächst gehörte das Dorf zum Kirchspiel St. Peter und Paul in Ratingen, vermutlich um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurde Lintorf eine eigenständige Pfarre (St. Anna) und ein von Ratingen unabhängiges Kirchspiel. Unter Napoleon zählte das Gebiet seit 1806 zur Mairie Angermund im Département Rhein (Arrondissement Düsseldorf, Kanton Ratingen) und nach der preußischen Übernahme im Jahre 1815 war Lintorf Teil der Bürgermeisterei Angermund im Landkreis Düsseldorf. Von 1930 bis 1974 gehörte Lintorf zum Amt Angerland (bis 1950 Amt Ratingen-Land) und war seit 1949 Verwaltungssitz des Amtes und damit dessen eigentliche Hauptstadt. 

Bei der Verwaltungsreform von 1929 verlor Lintorf zwar Gebietsteile an den Stadtkreis Duisburg-Hamborn, blieb jedoch als selbständige Gemeinde innerhalb des Amtes Angerland bestehen. Im Gegensatz zu anderen amtsangehörigen Gemeinden war im Rahmen der neuerlichen kommunalen Neugliederung die Eingemeindung Lintorfs nach Ratingen nie strittig — sehr wohl aber gegen den Widerstand der Mehrheit der Bevölkerung, die ihre Selbständigkeit nicht aufgeben wollten. 1974 wurde Lintorf schließlich kraft des Düsseldorf-Gesetzes in die neu geschaffenen Stadt Ratingen im Kreis Mettmann eingemeindet und hatte damit einen doppelten Verlust hinzunehmen: es verlor nicht nur seine kommunalpolitische Selbständigkeit als Hauptstadt des Angerlandes, sondern auch die Hoffnung, bei der geplanten Angerstadt deren Verwaltungssitz zu sein. 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entwickelte sich Lintorf von einem Dorf mit rund 4.600 Einwohnern (1946) in eine moderne Industrie- und Wohnsiedlung mit rund 10.600 Einwohnern (1970). Heute ist Lintorf mit rund 15.100 Einwohnern (Stand 31.12.2022) einer der größten Stadtteile Ratingens.

 

 

Wappen der ehemals selbstständigen Gemeinde Lintorf
Wappen der ehemals selbstständigen Gemeinde Lintorf

Zusammenfassung

Inhalt

Einordnung

Epoche(n):

  • vor 1500
  • 1500 - 1806
  • 1806 - 1870/71
  • 1870/71 - 1918
  • 1918 - 1933
  • 1933 - 1945
  • 1945 - 1974

Stadt (heutige Zuordnung):
Ratingen

Zugeordnete Kategorien

Quellen / Literatur

  • Theo Volmert: Lintorf. Berichte, Dokumente, Bilder aus seiner Geschichte von den Anfängen bis 1815, hrsg. v. Verein Lintorfer Heimatfreunde e. V., Lintorf 1982.
  • Theo Volmert: Lintorf. Berichte, Bilder, Dokumente aus seiner Geschichte von 1815 - 1974, hrsg. v. Verein Lintorfer Heimatfreunden, Lintorf 1987.

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Artikels die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an:

				
					Andrea Niewerth, Lintorf, in: Kreislexikon Mettmann, abgerufen unter: https://kreislexikon-mettmann.de/orte/gemeinden/lintorf/ (abgerufen am 10.07.2026)
				
			
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