Eng verknüpft mit Schloss Linnep in Ratingen-Breitscheid ist auch die Geschichte der benachbarten evangelischen Waldkirche, die nach dem Schloss benannt ist. Die ev. Kirchengemeinde Linnep umfasst heute Ratingen-Breitscheid sowie die Mülheimer Stadtteile Seelbeck und Mintard und hat ca. 2.000 Gemeindemitglieder (Stand 2024). Das Gemeindezentrum mit Kindertagesstätte befindet sich im Ortsteil Breitscheid, der Friedhof in einem nahegelegenen Waldgebiet.
Geschichte der Gemeinde
Die Herren von Schloss Linnep – zuerst die Grafen von Neuenahr, ab 1584 die Freiherren von Isselstein – führten nach 1556 die calvinistische Reformation in ihren Herrschaftsgebieten ein. Die Gottesdienste der reformierten Christen fanden in der ersten Zeit auf dem Schloss statt. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648) begann eine Zeit der Unterdrückung und schließlich des richterlichen Verbotes dieser Gottesdienste. Denn: Der Westfälische Frieden, der den Dreißigjährigen Krieg beendete, garantierte allen Glaubensgemeinschaften die freie Religionsausübung unter der Voraussetzung, dass sie im Stichjahr 1624 ihre Gottesdienste in einem öffentlich zugänglichen Gebäude gefeiert hatten. Das wiederum konnte die Linneper Reformierten nicht nachweisen, da das Schloss nicht für jedermann zugänglich war. Somit fiel die Gemeinde nicht unter den Schutzparagraphen des Friedensvertrages und war damit illegal. Erst durch eine vertragliche Übereinkunft zwischen dem Großen Kurfürsten als dem Schutzherren der Evangelischen und dem Pfalzgrafen von Pfalz-Neuburg als dem Schutzherren der Katholiken wurde der Linneper Gemeinde das Recht der freien Religionsausübung auf Schloss Linnep zurückgegeben. Als sich die Gemeinde jedoch bis 1680 so sehr vergrößert hatte, dass der Saal für die Abhaltung des Gottesdienstes zu klein wurde, schenkte der Schlossherr, Freiherr Vincent Schott von Isselstein, der Gemeinde um 1682 ein vor dem Haus Linnep gelegenes Grundstück. Nach einigen politisch bedingte Verzögerungen (ausführlich hierzu) konnte der Rohbau der Kirche am 5. November 1684 eingeweiht werden.
Baugeschichte der Kirche
Architektur
Die Waldkirche Linnep ist eine als Saalbau gestaltete, schlichte Kirche auf rechteckigem Grundriss. Sie bestand zunächst nur aus den Grundmauern, einfachen Fenstern und dem Dach. Die Außenwände waren aus Bruchstein, der Fußboden zunächst aus gestampftem Lehm. Während der langen Amtszeit von Pfarrer Heinrich Bernsau (er übernahm 1686 die Gemeinde und diente ihr bis 1731) wurden das Gestühl, die Kanzel sowie ein kleiner Glockenturm auf dem Dach über dem Eingang gebaut. 1782 erfolgte der Bau einer Empore an der Ostseite der Kirche. 1811 wurde an der Westseite eine Sakristei angebaut. Rund 200 Jahre nach dem Bau der kleinen Kirchen (1890) wurden Boden und Bänke erneuert. Noch einmal über 100 Jahre später (1992) wurde auch das Eingangsportal restauriert.
Glocken
Die beiden ersten Glocken wurden 1710 und 1713 von der Glockengießerei Johan Peter Edel aus Straßburg gegossen. Die größere zersprang 1855 und wurde ersetzt, die kleinere musste im Ersten Weltkrieg als Metallspende abgegeben werden. Erst 1925 erhielt die Kirche eine Ersatzglocke, die wiederum im Zweiten Weltkrieg abermals als Metallspende abgegeben werden musste. Sie konnte erst 1963 ersetzt werden.
Orgel
Fast 150 Jahre später bekam die Kirche auch eine erste Orgel: das bei dem Grevenbroicher Orgelbauer Fabricius bestellte Instrument wurde am 2. Oktober 1827 eingeweiht. Eine zweite Orgel entstand 1888, eine dritte 1935. 1974 fand im Rahmen eines Kirchenkonzertes die feierliche Weihe der vierten, neu erbauten Orgel statt, die von der Orgelbauanstalt Alexander Schuke aus Potsdam gefertigt worden war.



