*19.9.1890 Bahrenbusch/Neustettin; + vermisst seit dem 21.1.1945
Schule, Kriegsdienst und Ausbildung
Von 1898 bis 1905 besuchte der die Volksschule in Bahrenbusch. Am Ersten Weltkrieg nahm er von 1914 bis 1918 teil, wurde 1914 mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Nach der französischen Kriegsgefangenschaft 1917/18 verblieb er noch bis 1920 in der Reichwehr und trat dann in die Schutzpolizei in Wesel ein. Nach der Polizeiausbildung wurde er 1925 zum Polizeipräsidenten nach Wuppertal versetzt, zu dem auch Velbert gehörte. Ab 1. August 1925 versah er seinen Dienst im Polizeirevier 10 in Velbert.
Polizeilaufbahn
1931 wurde er zum Polizeimeister und 1937 zum Polizeiobermeister befördert mit gleichzeitiger Ernennung zum Stellvertreter des Revierleiters. Am 12. Januar 1940 wurde er zum Revierleutnant und zum Revierführer ernannt. Richard Ziech war seit dem 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP. Anlässlich des „Tages der Polizei“ 1940 weilte der Polizeipräsident von Wuppertal, Paul Hinkler, in Velbert. Bei einem Gespräch mit Richard Ziech kam es zu Unstimmigkeiten mit dem Polizeipräsidenten.
Mit Wirkung vom 1. Oktober 1940 wurde Richard Ziech zur Polizeiverwaltung in Posen versetzt mit dem Auftrag, die dortige Dienststelle beim Aufbau einer Polizeistruktur zu unterstützen. 1942 wurde Ziech zum Revieroberleutnant befördert. Am 21. Januar 1945 wurde Ziech noch in Posen gesehen. Seit dieser Zeit gilt er als vermisst.
Pogromnacht in Velbert 9./10.11.1938
Angesichts der zu erwartenden Gewalttätigkeiten nach der Ermordung des Legationssekretärs vom Rath in Paris waren auch in Velbert Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger zu erwarten. Er warnte das jüdische Ehepaar Aaron, das am 10. November 1938 rechtzeitig die Wohnung verlassen konnte und damit dem Holocaust entkam. Die Wohnung und die Geschäftsräume der Familie Aaron wurden durch die SA verwüstet. An dieses selbstlose und für ihn riskante Verhalten erinnert seit dem 5. Dezember 2018 in der neuen Polizeiwache in Velbert eine Gedenkplakette. Der Text lautet:
Polizeiobermeister Richard Ziech
Mut und Menschlichkeit während des Novemberpogroms 1938
Durch das selbstlose und hilfsbereite, aber auch riskante Verhalten des Velberter Polizeirevierführers Richard Ziech (1890 – 1945, vermisst) konnte sich der jüdische Geschäftsmann Fritz Aaron mit seiner Ehefrau und den Schwiegereltern vor dem Novemberpogrom in Sicherheit bringen und später nach Israel fliehen. In der Nacht vom 9./10. November 1938 wurden überall in Deutschland Synagogen, Geschäftsräume und Wohnungen geplündert und zerstört und viele jüdische Mitbürger verhaftet und in Konzentrationslager gesteckt.
Die Familie Aaron hat die Shoa überlebt.



