Erster Weltkrieg (1914 – 1918)

Der große Krieg – La Grande Guerre

Der Erste Weltkrieg wurde von 1914 bis 1918 in Europa, im Nahen Osten, in Afrika, Ostasien und auf den Ozeanen geführt. Die Vorgeschichte setzte bereits um die Jahrhundertwende ein und erstreckte sich bis zum Sommer 1914. Es war ein Zeitraum, in dem es zunehmend zu militärischen Konflikten, zu „Beinahe“-und zu tatsächlichen Kriegen kam. Die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 28. Juli 1914, der das Attentat von Sarajevo am  28. Juni 1914 und die dadurch ausgelöste Julikrise vorausgegangen waren, entfachten schließlich das Feuer des Krieges.

Mit dem Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Bis zum Herbst 1918 waren insgesamt etwa zehn Millionen tote und vermisste Soldaten an den Fronten zu beklagen; dem hinzuzurechnen sind unzählige Verwundete. Kein Krieg zuvor hatte auch nur annähernd so viele Opfer gefordert.

Der für die Deutschen erste Weltkrieg stellte einen fundamentalen Einschnitt in der neueren europäischen Geschichte dar. Der „Große Krieg“, „la Grande Guerre“, wie er noch heute in vielen Ländern genannt wird, war ohne Zweifel eine wegweisende Zäsur mit nachhaltigen politischen, sozialen und mentalen Folgen für Staat und Gesellschaft und er markiert für die Gesellschafts- und Kulturgeschichte eine erhebliche Zäsur: Der Untergang des Kaiserreiches sowie die Verstärkung der ohnehin bestehenden gesellschaftlich-sozialen und politischen Spannungen im und durch den Krieg führten schlussendlich zu einer völlig neuen Gesellschaftsordnung. Es war der erste industrielle Krieg, der nicht nur an der Front, nicht nur aus den Arsenalen geführt und entschieden wurde, sondern vor allem über die Erschöpfung des Gegners: Menschen, Material, Rohstoffe, Ernährung. Dies erklärt auch seine Länge. Er forderte die Mobilisierung aller materiellen und menschlichen Ressourcen und durchdrang damit sämtliche Bereiche auch des alltäglichen Lebens.

Die Nachgeschichte des Ersten Weltkrieges führt zunächst ins Jahr 1919 – ein Jahr, in welchem nicht nur der Versailler Vertrag Deutschland die alleinige Verantwortung für den Ausbruch des Weltkrieges zusprach, sondern in welchem auch die Weimarer Nationalversammlung die erste demokratisch-parlamentarische Verfassung verabschiedete. Insgesamt stellen die Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, die Weimarer Republik, den Übergang von der traditionalen zur modernen Welt dar. Die Gründung der Nationalstaaten, die Industrialisierung mit der einhergehenden Verstädterung, die Trennung von vielhundertjährigen Gewalten wie z. B. Kirche und Adel, die Teilhabe breiter Schichten am Staat, die wachsende Mobilität — all diese Prozesse bündelten sich in kaum zwei Jahrzehnten. Das Bergische Land, ein höchst heterogener Landstrich, spiegelt den Zwiespalt zwischen Segen und Gefahr wie kaum eine andere Region wider.

 

Der Erste Weltkrieg im Kreis Mettmann

Wie fast überall, war auch im Kreis Mettmann eine anfängliche Kriegsbegeisterung zu spüren. Es folgte jedoch sehr bald die Ernüchterung. Niemand ahnte damals, was auf die Menschen in Form sozialer und privater Umgestaltung zukommen würde, bis hin zu Armut, Leid und Tod. Die Lebensmittelversorgung drohte zu einer Katastrophe zu werden. Am 7. März 1915 wurden in Hilden bereits Brotkarten eingeführt, um das Brot zu rationieren. Ein Jahr später, im März 1916, mussten auch Kartoffelkarten ausgegeben werden. Es folgte der furchtbare „Steckrübenwinter 1916/17“, weil die Kartoffellieferungen ausblieben.

In Ratingen wurden die beiden Krankenhäuser, später auch noch das Lyzeum an der Schwarzbachstraße, das Haus Siloah in Lintorf und das Genesungsheim in Hösel als Lazarette eingerichtet. Ebenso war in der Diakonissenanstalt in Hilden ein Reservelazarett untergebracht. Im Frühjahr 1915 wurde Ratingen mit dem Einzug des 2. Ersatz-Bataillons 39 Garnisonstadt und in Lintorf lag einige Zeit eine Ersatzeinheit des Infanterie-Regiments 135.

Der Erste Weltkrieg forderte im Kreis Mettmann und den kreisangehörigen Städten fast 9.000 gefallene Soldaten — dies ist den „Verlustlisten“ zu entnehmen, auf denen nicht nur gefallene Soldaten, sondern auch diejenigen, die vermisst oder verwundet wurden, erfasst wurden.

 

Rheinlandbesetzung

Nach Kriegsende und mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages wurden die rechtsrheinischen, in der entmilitarisierten Zone gelegene Städte durch alliierte Truppen besetzt. In Hilden und Haan zogen im Dezember 1918 britische Truppen ein, die bis Anfang 1926 blieben. Ab Mai 1920 kamen zusätzlich französische Besatzungstruppen, wobei ab 1923 auch das Amt Gruiten in das besetzte Gebiet einbezogen wurde. Ratingen erlebte seit März 1921 im Zuge alliierter Sanktionsmaßnahmen eine mehr als vierjährige französische Besatzungszeit, in der sogar zeitweise eine Zollgrenze mitten durch die Stadt führte. Die Besatzung, die Reparationszahlungen und andere Kriegsfolgen führten 1922/23 zu einer noch nie dagewesenen Inflation in Deutschland.

 

 

Titelseite des Düsseldorfer General-Anzeigers vom 3. August 1914 mit der Titelüberschrift "England hat Deutschland den Krieg erklärt"
Düsseldorfer General-Anzeiger

Zusammenfassung

Inhalt

Einordnung

Epoche(n):

  • 1870/71 - 1918
  • 1918 - 1933

Jahr:
1914 - 1918

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Zugeordnete Schlagworte

Quellen / Literatur

  • Rolf Stremmel: Das Bergische Land im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik (1914 - 1933), in: Gorißen, S./Sassin, H./Wesoly/K. (Hrsg.): Geschichte des Bergischen Landes, 2. Bde., Bd. 2: Das 19. und 20. Jahrhundert, Bielefeld 2016, S. 554 - 640.
  • Werner Fischer-Feldsee: Langenberg, Nerviges und Velbert im Ersten Weltkrieg (1914-1918), in: in: Velbert. Geschichte dreier Städte, hrsg. von Horst Degen, Christoph Schotten und Stefan Wunsch für den Bergischen Geschichtsverein Abtlg. Velbert/Hardenberg e. V., Köln 2009, S. 242-273.
  • Stadtarchiv Mettmann, Verlustlisten

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Artikels die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an:

				
					Andrea Niewerth, Erster Weltkrieg (1914 – 1918), in: Kreislexikon Mettmann, abgerufen unter: https://kreislexikon-mettmann.de/thema/erster-weltkrieg-1914-1918/ (abgerufen am 18.06.2024)
				
			
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