Synagoge

Das Judentum, das auf eine lange, bewegte Historie zurückblickt, zählt zu den fünf großen Weltreligionen und gilt als die älteste Religion der Welt. Seine wichtigste Institution ist die Synagoge. Der Begriff „Synagoge“ stammt vom altgriechisch Wort für „Zusammenkunft“, „Versammlung“ und ist die Übersetzung des hebräischen „Beth Knesset“ (Haus der Versammlung), „Beth Tefila“ (Haus des Gebetes) oder „Beth Midrasch“ (Haus des Lernens). Also ist die Synagoge ein Gebäude, das der Versammlung, dem gemeinsamen Gottesdienst und oft auch als Lehrhaus einer jüdischen Gemeinde dient.

 

Geschichte

Die Entstehungszeit der Institution Synagoge ist umstritten, wahrscheinlich aber stammt sie aus der Zeit des babylonischen Exils. Allgemein gilt Mose als ihr Begründer.

Insgesamt haben sich bis zu Beginn der 1930er Jahre etwa 2.800 Synagogen und Betsäle auf dem Gebiet des damaligen Deutschen Reiches befunden. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gipfelte die nationalsozialistische Verfolgungspolitik gegen Juden in dem Pogrom, der in die Geschichte als „Novemberpogrom“ einging. Die Bilanz: In Deutschland wurden mehr als 1.600 Synagogen, meist mitsamt der Gemeindehäuser, niedergebrannt und gänzlich zerstört, sie wurden „arisiert“, zweckentfremdet oder abgerissen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Holocaust an der jüdischen Gemeinschaft entstanden Mitte der 1950er Jahre erste Überlegungen für Synagogenneubauten in der Bundesrepublik. Bis dahin hatten sich die Gläubigen in provisorischen Räumen oder kleinen Betsälen getroffen. Bis 1961 konnten in NRW neun neue Synagogen eingeweiht werden, darunter Dortmund 1956, Gelsenkirchen und Düsseldorf 1958, Bonn und Essen 1959. Heute gibt es in Deutschland wieder 101 Synagogen sowie 31 Betsäle (Stand 2018).

 

Alte Synagogen im Kreis Mettmann

Bereits 1825/26 existierten im Kreisgebiet drei Synagogen: in Düsseldorf, Langenfeld und Ratingen.

 

Synagoge Düsseldorf

Die Alte Synagoge in Düsseldorf befand sich an der Kasernenstraße und wurde erstmals am 24. März 1792 eingeweiht. Da die jüdische Gemeinde im 19. Jahrhundert stark anwuchs, wurde die vorhandene Synagoge von 1873 bis 1875 umgebaut und im September 1875 erneut eingeweiht. Sie wurde nur wenige Jahrzehnte später, 1903, durch die Große Synagoge, ebenfalls an der Kasernenstraße, die nach Entwürfen des Architekten Josef Kleesattel im Stil der Neoromanik erbaut wurde, ersetzt. Bei dem Novemberpogrom vom 9. auf den 10. November 1938 wurde auch die Düsseldorfer Synagoge in Brand gesteckt und die Ruine am 29. November desselben Jahres abgebrochen.

 

Synagoge Langenfeld

Schon 1842 gab es erste Bestrebungen, für die wachsende jüdische Gemeinde in Langenfeld eine eigene Synagoge zu errichten. Dem Bau wurde 1860 zugestimmt und im Dezember 1869 konnte die Synagoge, bei der es sich um ein schlichtes Backsteingebäude an der Hauptstraße 101 handelte, feierlich eingeweiht werden.

Alte Synagoge in Langenfeld, Postkarte
Alte Synagoge in Langenfeld

 

Synagoge Ratingen

Ein erster Betsaal der Ratinger Juden ist 1769 bezeugt. Er befand sich an der Lintorfer Straße. Um 1817 konnte für die wachsende Gemeinde ein Neubau an der Bechemer Straße eingeweiht werden, der bis in die 1920er Jahre als Synagoge benutzt wurde. 1936 musste das Gebäude jedoch an die Zivilgemeinde Ratingen verkauft werden, 1940 wurde es abgerissen. 1958 errichtete man an der Stelle einen Neubau. Als Reminiszenz an die alte Synagoge wurde die Straße 1984 „Synagogengasse“ benannt.

 

Synagoge in Ratingen in der Bechemer Straße
Synagoge in Ratingen in der Bechemer Straße
Innenaufnahme der Ratinger Synagoge mit dem verhüllten Toraschrein
Synagoge in Ratingen, Innenansicht

 

Neue Synagogen

Da sich der Zuschnitt der jüdischen Synagogengemeinden nicht notwendigerweise an den jeweiligen politisch-kommunalen Verwaltungsstrukturen orientiert, gehören die im Kreis Mettmann lebenden Jüdinnen und Juden sowohl zur Jüdischen Gemeinde Düsseldorf (Erkrath, Haan, Hilden, Langenfeld, Mettmann, Monheim am Rhein, Ratingen) als auch zur Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal (Heiligenhaus, Velbert mit Langenberg und Neviges, Wülfrath). In beiden Städten sind wieder große Synagogenbauten entstanden: Die Neue Synagoge Düsseldorf, Paul-Spiegel-Platz 1, wurde am 7. September 1958 eingeweiht. Die Neue Synagoge in Wuppertal an der Gemarker Straße 15 wurde nach der Grundsteinlegung im Oktober 2001 am 8. Dezember 2002 eingeweiht.

 

Gedenken an die jüdischen Opfer

Neben den im Kreisgebet verlegten Stolpersteinen erinnern auch zahlreiche Gedenktafeln und -steine an die jüdischen Opfer:

  • Heiligenhaus: Gedenktafel im Rathaus-Altbau für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus
  • Langenfeld: Bronzetafel zum Gedenken an den Novemberpogrom 1938, dem auch die Synagoge in Langenfeld zum Opfer fiel.

    Gedenktafel Synagoge Langenfeld
    Gedenktafel Synagoge Langenfeld
  • Monheim am Rhein: Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof zur Erinnerung an die Verfolgung durch die Nationalsozialisten
  • Ratingen: 1946 wurde auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof ein Gedenkstein errichtet; Umgestaltung 2013, seitdem erinnert auch eine Stahltafel an die aus Ratingen stammenden jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. 2021 wurde der Stein zuletzt restauriert.
  • Ratingen: Im Durchgang von der Synagogengasse zur Bechemer Straße befindet sich an der dortigen Gaststätte eine Gedenktafel, die an den ehemaligen Standort der Synagoge erinnert. Die deutsch-hebräische Inschrift lautet: „Hier stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde Ratingen, erbaut 1817. Sie wurde 1936 unter dem Druck der Nationalsozialisten verkauft, entweiht und später abgerissen.“
  • Wülfrath: Gedenkstein für Opfer des Nationalsozialismus.

 

Gottesdienst in der Synagoge in Wuppertal
Gottesdienst in der Synagoge in Wuppertal

Zusammenfassung

Inhalt

Einordnung

Epoche(n):

  • vor 1500
  • 1500 - 1806
  • 1806 - 1870/71
  • 1870/71 - 1918
  • 1918 - 1933
  • 1933 - 1945
  • 1945 - 1974
  • ab 1975

Zugeordnete Kategorien

Quellen / Literatur

  • Günter Birkmann / Hartmut Stratmann: Bedenke vor wem du stehst. 300 Synagogen und ihre Geschichte in Westfalen und Lippe, Essen 1998.

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Artikels die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an:

				
					Andrea Niewerth, Synagoge, in: Kreislexikon Mettmann, abgerufen unter: https://kreislexikon-mettmann.de/orte/gotteshaeuser/synagoge/ (abgerufen am 18.04.2024)
				
			
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